Kaiserin Helena: von der Schankwirtin zur Kaiserin

Um 300 nach der Zeitenwende ist Trier eine römische Stadt mit rund 60.000 – 80.000 Einwohnern, deren Alltag von der Familie, Arbeit, Politik und Religion bestimmt wird. Die römische Elite vor Ort lebt in herrschaftlichen Villen mit Fußboden-Mosaiken, Wandmalereien und Fußboden-Heizungen. Sie baden in monumentalen Thermen, verziert mit buntem Marmor, hohen Decken und neuester Technik und schlemmen und trinken Köstlichkeiten wie Fisch auf Pinien-Dattel-Sauce sowie Musulm – ein herber Weißwein mit Honig. Für die römische Elite ist das Leben ein Fest und das Römische Reich auf dem Höhepunktseiner Macht.

Römervilla bei Longuich
Foto: Rheinland-Pfalz Touristik GmbH / Dominik Ketz
Römervilla und Reben bei Longuich
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Viehmarkttherme Trier
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Der Legende zufolge wird fünfzig Jahre früher einem Schankwirt am Bosporus, über 2.000 km von Trier entfernt, ein Mädchen namens Helena geschenkt. Ein gesellschaftlicher Aufstieg ist für das Mädchen weder vorgesehen noch rein theoretisch möglich. Helena wächst, wie ihr Name es verspricht, zu einer Schönheit heran und wie der Zufall es will, betritt einrömischer Soldat einige Jahre später die Schenke und lernt die junge Frau kennen. Sein Name ist Constantius und obwohl Helena aus sehr einfachen Verhältnissen kommt, werden die beiden ein Liebespaar. Eine Heirat ist aufgrund der Standesunterschiede zwischen den beiden nicht möglich. Nichtsdestotrotz leben sie in den kommenden Jahren gemeinsam in Naissus, einem Ort im heutigen Serbien, wo Helena einen Sohn namens Konstantin zur Welt bringt.

Römisches Weinschiff Trier
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Constantius ist ehrgeizig, er macht Karriere und steigt weit auf.  Als er schließlich die Möglichkeit erhält, Theodora, die Tochter des Kaisers Maximian zu heiraten, verlässt er Helena und seinen kleinen Sohn. Die Heirat mit Theodora führt ihn schließlich an die Spitze der Macht und er wird Kaiser des Römischen Reiches. Für Helena und ihren Sohn Konstantin hätte der Weg nach oben und das Leben im Kreise der römischen Elite hier zu Ende sein können, doch das Schicksal will es anders.

Konstantin wird wie sein Vater Soldat, begleitet ihn auf Feldzügen und kämpft an seiner Seite. Constantius baut ihn trotz seiner sechs legitimen Kinder, die ihm Theodora schenkt, zum Kaiser auf und als er im Jahr 306 nach der Zeitenwende stirbt, wird Konstantin zum neuen Kaiser ausgerufen. Er heiratet, hat Kinder und er holt seine Mutter Helena nach Trier nach. Diese ist zu diesem Zeitpunkt bereits 57 Jahre alt. Sie zieht in eine Villa im heutigen Trierer Stadtteil Euren. Doch Helena hat keinen leichten Stand in der Stadt und dem restlichen Römischen Reich. Vor allem als Konstantin sie zur Kaiserinmutter und „Augusta“ ernennt, zerreißt man sich in Trier den Mund. Als Mädchen eines einfachen Schankwirts geboren und als ehemalige Geliebte des Kaisers Constantius gilt sie der Position als nicht würdig. Sie erhält gar den Beinamen„Die Hure von Trier“.

Konstantin-Basilika Trier
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Doch Helena geht weiter beständig ihren Weg. Sie sieht ihre Enkel aufwachsen, zieht ihre Fäden, tritt dem Christentum bei und wird zur großen Förderin von dessen Verbreitung. Auch an der Errichtung des Vorgängerbaus des Trierer Doms ist sie laut Überlieferung maßgeblich beteiligt.

Als Helena im Jahr 326 von einem Schicksalsschlag tief ins Herz getroffen wird und ihren Lieblingsenkel verliert, bricht die mittlerweile fast 80-jährige zu einer Pilgerreise nach Jerusalem auf. In Jerusalem angekommen, lässt sie allerhand Grabungen vornehmen und stößt dabei auf die Reliquien des Heiligen Grabes und des Heiligen Kreuzes. Sie lässt Teile des Heiligen Rocks und die Gebeine des Apostels Mathias nach Trier überführen. An der angeblichen Fundstelle des Heiligen Grabes und Kreuzes veranlasst sie den Bau einer Basilika, welche als Grabeskirche bekannt wird.

Helena stirbt laut Überlieferung am 18. August 330 in Nikomedien, dem heutigen Izmir, und wird später von der katholischen Kirche heilig gesprochen. Ihr Schädel wird an den Trierer Dom übergeben und hat dort bis dato seine letzte Ruhestätte gefunden.

Trierer Dom
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Kreuzgang Trierer Dom
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Wenige Jahrhunderte später geht das Römische Reich unter und die Römer verlassen Trier. Ihre Spuren, unter anderem die der Kaiserin Helena, sind jedoch bis heute geblieben. Wer durch Trier flaniert, kommt an dem großen Stadttor der Porta Nigra vorbei, kann die Konstantin-Basilika besuchen und die Überreste der Barbara- und Kaiserthermen besichtigen. Nicht zu vergessen der prächtige Trierer Dom, in welchem sich noch heute der Heilige Rock befindet. Auch die Lebenslust, der Wein und die Kulinarik sind den Trierern im Blut geblieben und runden einen Stadtbesuch wunderbar genüsslich ab.

Mehr Informationen zu Kulturstätten in Trier und Rheinland-Pfalz finden sich hier.

Marktplatz Trier
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Trier
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