Auf kaiserlichen Spuren in Ingelheim

Ingelheim ist seit Jahrhunderten geprägt von unterschiedlichen Menschen und Kulturen, von Lebensfreude, Kulinarik, Kunst und Kultur. Auf den warmen, sandigen Hügeln in und rund um Ingelheim werden, seit jenen Tagen von Karl dem Großen, Burgunderreben angepflanzt und es entstehen wunderbare Spitzen-Rotweine. Karl der Große sah sich in der Tradition römischer Herrscher wie Julius Cäsar oder Kaiser Augustus. Er glich ihnen nicht nur in seinem Streben nach Macht und Vorherrschaft, sondern ließ wie sie Wein anbauen, unterstützte die freien Künste und war – trotz seiner christlichen Prägung – wohl das, was man heute einen ‚Frauenhelden‘ nennt. 

Es steht außer Frage, dass die Ingelheimer Weißweine den Roten in Anbaufläche und Qualität heute in nichts nachstehen, der Name und besondere Ruf der Rotweinstadt Ingelheim hat sich jedoch gefestigt. Im Sinne der wunderbaren Weine und der tollen regionalen Küche ist der Ingelheimer Winzerkeller entstanden. Hier trifft historisches auf modernes, Ingelheimer Weine treffen auf kulinarische Erlebnisse. Ein Vinotheken-Schatz, der sich optimal in das Bild von Ingelheim fügt und die Lebensfreude und das Klima von Rheinhessen wiederspiegelt.

Wer heute durch Ingelheim schlendert, der findet nicht nur wunderbare Weine, sondern vor dessen Augen erwacht auch der ehemalige mächtige Bau der Kaiserpfalz bildlich wieder zum Leben. Dieses Bauwerk geht ebenfalls zurück auf Karl den Großen, denn alles was diesem Anfang des 8. Jahrhunderts in seiner Macht-Position noch fehlte, war ein fester Regierungssitz. Politisch-geographisch für ihn gut gelegen, fand er diesen Platz in Ingelheim am Rhein. Dort ließ er einen Ort errichten, der über Jahrhunderte hinweg in Mitteleuropa seines gleichen suchte: die Kaiserpfalz. Der Stil und die Architektur waren gewaltig, prunkvoll, römisch-antik und der Ort wurde für sehr lange Zeit Schauplatz zahlreicher Reichsversammlungen, Synoden, Gerichtsprozesse, feierliche Festtagskrönungen, Taufen, Hochzeiten und Abdankungen.

Auch unter den Ottonen erlebten das Kaiserreich und die Kaiserpfalz in Ingelheim eine Blütezeit und dies lag unter anderem an einer Frau: Theophanu von Byzanz. Aufgewachsen in Konstantinopel und Nichte des byzantinischen Kaisers wurde sie mit zwölf Jahren mit Kaiser Otto II. verheiratet. Schnell verbreitete sich ihr besonderer Ruf, denn das junge Mädchen besaß nicht nur Bildung, sondern brachte auch wunderbare neue Stoffe, Mode, Architekten, Kunsthandwerker und Künstler mit. Durch sie stieg der Einfluss der byzantinischen Künste im Kaiserreich. Doch Theophanu hatte nicht nur kulturellen, sondern auch politischen Einfluss. Bereits mit ihrer Heirat krönte Papst Johannes XIII sie zur Mitkaiserin des römisch-deutschen Reiches. Sie unterschrieb Dokumente und Urkunden, verhandelte und fällte Urteile und verbrachte, wenig überraschend, viel Zeit in Ingelheim und der Kaiserpfalz. Von hier aus erreichte sie in kurzer Zeit wichtige Städte wie Mainz und Worms. Vermutlich kam ihr auch das milde Klima der Region sehr entgegen. 

Die Kaiserpfalz diente über Jahrhunderte hinweg 21 Herrschern als Regierungssitz, blieb in ihrer baulichen Struktur allerdings nicht unverändert. Denn wenngleich die Stauferzeit von Barbarossa im 12. Jahrhundert ruhmreich verlief, war sie nicht geprägt von vorherrschenden Schöngeistern, sondern eher von Pragmatismus. So verwandelte Barbarossa, um die staufische Territorialpolitik zu sichern, den repräsentativen, villenartigen Gebäudekomplex in eine burgähnliche Wehranlage. Wehrmauer, Wehrtürme und ein wassergefüllter Burggraben wurden errichtet und sollten die Kaiserpfalz von nun an vor Angriffen schützen. 

Heute ist die Kaiserpfalz in Ingelheim eine der am besten erforschten Kaiserpfalzen und ihre Ausdehnung ist durch eine farbige Gestaltung des Pflasters dargestellt. Informationstafeln finden sich an vielen baulichen Schwerpunkten und digital-erstellte Rekonstruktionen helfen bei der bildlichen Vorstellungskraft der alten Architektur. Besonders eindrucksvoll beweisen dies die Überreste der ehemaligen Aula Regia. Mit einer Deckenhöhe von ca. 13 Metern und einem 40 Meter langen Mittelgang, ist gut vorstellbar, was für eine Macht die Kaiserpfalz demonstrierte. 

  Aula Regia
 Aula Regia Digitale Rekonstruktion Foto: Archimedix|02

Auch die schönen Künste sind fest in und mit Ingelheim verwurzelt geblieben. So finden beispielsweise seit 60 Jahren die sogenannten ‚Internationalen Tage‘ in Ingelheim statt. Das Kunstengagement von Böhringer Ingelheim spielt mittlerweile auf Weltniveau eine Rolle. Die Liste an Werken großer Künstler, welche die Veranstalter schon nach Ingelheim holten und ausstellten ist lang: Andy Warhol, Chagall, Miro, Picasso, Dürer, Rembrandt, Goya und viele viele mehr.

All dies ist nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was Ingelheim zu bieten hat. Wer durch die Stadt schlendert und flaniert, findet alles, was das Kultur- und Kulinarikherz begehrt: Spitzenwinzer, Restaurants, hochkarätige Veranstaltungen und Ausstellungen, historische Gassen, Geschichte, Einkaufsmöglichkeiten und vor allem eine rheinhessische Lebensfreude, die ansteckt. 

Es ist der perfekte Ort für eine genussvolle Auszeit voller kultureller Eindrücke! 

Mehr zu Führungen durch die Kaiserpfalz in Ingelheim und weitere hochkarätige Veranstaltungen in unseren Regionen verraten wir Ihnen hier.