Gelber Muskateller aus der Pfalz

Der folgende Beitrag stammt von Christian Lersch – einem Kulinarikblogger mit dem Blog „Küchenjunge“. Christian Lersch war in den vergangenen Wochen für die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH unterwegs, um kulinarische Besonderheiten zu entdecken.

Als wir über das kulinarische Thema zur Pfalz philosophiert haben, etablierte sich sehr schnell der Gelbe Muskateller als spannendes Thema. Er ist eine Weinsorte, die man in Weinlisten eher als seltene Besonderheit findet. Dabei zählt er zu den ältesten Rebsorten überhaupt. Muskateller war schon bei den alten Römern und Griechen bekannt. Außerdem wird der eine oder andere ihn schon als Tafeltraube in den Händen gehalten haben, als solche ist er sehr beliebt. Dabei ist die Muskatellertraube gar nicht so einfach zu kultivieren. Sie ist sehr winterfrostempfindlich und auch in der Blüte sehr sensibel. Im Herbst, kurz vor der Ernte, ist Muskateller bei Feuchte sehr empfänglich für Botrytis, der sogenannten Beerenfäule. Die Muskatellertraube ist also im Weinberg ein wenig zickig, aber wie macht sie sich im Glas?

Als ich mich in der Pfalz auf die Suche nach Gelben Muskateller-Weinen gemacht habe, bin ich sehr schnell fündig geworden. Denn hier scheint diese Traube ein echtes Revival zu erleben und in vielerlei Couleur ausgebaut zu werden. So habe ich mir eine kleine Probe von fünf verschiedenen Weinen, von süß bis trocken, zusammen gestellt und auch ein Sekt war dabei.

Der Gelbe Muskateller ist nicht nur für den reinen Rebsorten Ausbau interessant, sondern wird auch oft für Cuvées verwendet, um ihnen noch einmal aromatische Tiefe zu geben. Denn der Muskateller ist ein starker Aromengeber, nicht nur in der Nase, sondern auch im Geschmack. Im Vorfeld habe ich viel darüber gelesen und bin oft über ein intensives, komplexes Muskatbouquet gestolpert. Dabei stellte ich mir die große Frage 
(in Gedanken das Aroma frisch geriebener Muskatnuss in der Nase, wie bei der Zubereitung von Kartoffelpüree), wie ich mir das vorzustellen habe. Aus länger zurückliegenden Erfahrungen weiß ich noch, dass dieser Wein ein sehr präsentes Aroma hat, aber an Kartoffelpüree dachte ich nicht.

Als also alle fünf Flaschen offen waren und ich quer verkosten konnte, habe ich nirgendwo mein Kartoffelpüree-Aroma gefunden. Eher war ich baff, dass jedes Glas anders roch und schmeckte. Der eine schmeckte frech säurebetont nach einer frischen Litschi, der andere mineralisch kühl nach Stachelbeere. Der Süße hatte sehr sympathische Anklänge von Rosenwasser, war unheimlich satt und hat den ganzen Mund eingenommen. Sehr überrascht hat mich auch der Sekt, der mit einer frischen, blumigen Note ein wunderbarer Einstieg in dieses Tasting war.

Schon als ich die Weine bestellt hatte, ging für mich die Planung der kleinen kulinarischen Begleitung los. So habe ich viel über die Eigenschaften von Muskateller gelesen und wie man sie wohl wunderbar kombinieren könnte. Besonders mit starken aromatischen Gegnern kommt er gut zurecht, denn er bringt auch jede Menge Aroma mit. Asiatisches steht ihm sehr gut, gerade Curry-Gerichte mit Seafood und Schärfe verträgt er prima. Aber auch zu kräftigen Aromen, wie geschmortem Fleisch, Leber, Würsten & Sülzen, lässt er sich super kombinieren. Und im Käsebereich korrespondiert er gerne mit stärkeren Sachen, wie zum Beispiel einem Ziegenkäse.

Und so sah mein kleines Tasting Menü aus:

Zum Gelben Muskateller Demi Sekt 2016 von Weinhaus Heymanns gab es ein „German Sushi mit zweierlei Wasabi & Zwiebel“

Zutaten für 4 Personen: – 16 Scheiben kleines Baguette – 250g frisches Mett vom Metzger – 1 Zwiebel – 1 Dose Wasabi-Erdnüsse – 20g Wasabi-Paste – 150g Mayonnaise – Butter – Salz

Zubereitung: 
1. Wasabi mit der Mayonnaise vermischen und mit Salz würzen 
2. Baguette-Scheiben buttern und mit dem frischen Mett bestreichen. 
3. Zwiebel schälen und in Ringe schneiden. Jeweils zwei Ringe auf das Mett legen. 
4. Wasabi-Mayonnaise zwischen die Zwiebeln geben und mit Wasabi-Erdnüssen bestücken.

Zum Hauptgang gab es zum Gelben Muskateller 2017 vom Weingut Theo Minges eine „Entenbrust mit Estragon-Curry Sauce & grünem Spargel“

Zutaten für 4 Personen: – 2 Entenbrüste – 250g grüner Spargel – 400ml Sahne – 1-2 EL Curry-Pulver, gerne auch etwas schärfer – 5 Stile Estragon – 1 Zwiebel – Butter – Salz & Zucker

Zubereitung: 
1. Entenbrust auf der Hautseite leicht einschneiden und mit der Hautseite nach unten in eine kalte Pfanne legen. Bei 2/3 der Hitze braten bis die Haut knusprig ist. Danach umdrehen und langsam gar ziehen lassen. 
2. Spargel in einer Pfanne mit Butter braten. Mit Salz & Zucker würzen. 
3. Zwiebeln würfeln und in einem Topf mit Butter glasig andünsten. Mit etwas Wein ablöschen, Sahne hinzugeben und mit Curry & Salz abschmecken. Zum Schluss fein geschnittene Estragon-Blätter hinzugeben. 
4. Entenbrust aufschneiden und alles zusammen schnell auf vorgewärmten Tellern servieren.

Als kleinen Zwischengang habe ich danach den Gelben Muskateller Exklusiv trocken 2017 von Tina Pfaffmann serviert.

Als Dessert habe ich anschließend gleich zwei Weine kredenzt. Den Gelben Muskateller lieblich 2017 von Fritz Walter und den Gelben Muskateller 2017 von Weingut Bergdolt-Reif & Nett feinherb. Dazu gab es einen „Ziegenkäse mit Orangen-Marmelade gratiniert“

Zutaten für 4 Personen: – 4 Ziegenfrischkäse-Taler – 200ml Orangen-Senf

Zubereitung: 
1. Ziegenfrischkäsetaler jeweils in ein backofenfestes Schälchen geben. 
2. 2 EL Orangen-Senf-Sauce über jeden Käse geben. 
3. Unter dem Grill im Backofen gratinieren. 
4. Unbedingt noch heiß mit ein wenig Brot servieren.

Schon lange hat mich eine Weinprobe nicht mehr so überrascht wie diese vom Gelben Muskateller aus der Pfalz. Zu Anfang hatte ich ein wenig Sorge, dass fünfmal die gleiche Traube in einem Tasting etwas langweilig sein und die Kombination mit den Speisen schwierig sein könnte. Aber die Komplexität dieser Traube hat mich echt umgehauen. Nicht ein Wein hat wie der andere geschmeckt und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, 
mit der aromatischen Präsenz des Muskatellers zu arbeiten. Weißweine werden ja gerne mal in die Schublade der leichten Vorspeisen gesteckt, aber das kann man mit dem Gelben Muskateller nicht machen. Gerade diese Curry-Affinität hat mich schon sehr dazu verleitet, einmal eine kleine Currywurst Variation dazu zu machen. 
Das werde ich in jedem Fall auch noch einmal ausprobieren. In mir hat der Gelbe Muskateller auf jeden Fall einen neuen Liebhaber gefunden und ganz besonders der aus der Pfalz.