O, Mosella

Wer Rom liebt muss nach Trier fahren (Dieter Bartezko, FAZ)

Moselgeschichte(n)

Nikolaus von Kues – genannt Cusanus – gehörte zu den ersten deutschen Humanisten in der Epoche des Übergangs zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Sein Denken basierte u.a. auf dem Neoplatonismus der Römerzeit und kreiste um das Konzept des Zusammenfalls der Gegensätze zu einer Einheit, in der sich alle Widersprüche auflösen. In Gott sah er den Ort dieser Einheit. Im Sinne solcher möglichst umfassenden Eintracht zwischen allen Menschen entwickelte er eine für seine Zeit ungewöhnliche Vorstellung von religiöser Toleranz. Auch dem Islam, mit dem er sich intensiv auseinandersetzte, billigte er eine Existenzberechtigung zu. Möglicherweise wäre es ihm sogar gelungen, die Kirchenspaltung zu verhindern, hätte er einige Jahrzehnte später gelebt.

Als sie aber vollzogen war, wetteiferten Katholiken und Protestanten um die besten Komponisten und Interpreten und pflegten je eigene Formen von geistlicher Musik. Von Luthers Liedern über Mendelsohn Bartholdys „Reformationssinfonie“ bis hin zu Spirituals und Gospels, von Palestrina über Vokalmusik der Gegenreformation bis hin zu Bruckners großem sinfonischen Werk finden sich viele herausragende Beispiele geistlicher Musik im Programm des Mosel Musikfestivals 2017. Wieder sind die Besten der Besten zu Gast in den schönsten Konzertorten an der Mosel: ob in Trier mit seinen Römerbauten und Kirchen, ob im Jugendstilambiente von Traben-Trarbach oder Open-Air in der Fachwerkinnenstadt von Bernkastel-Kues, ob im Barockkloster Machern oder in den Synagogen von Schweich oder Wittlich. Und natürlich darf bei allem der Genuss nicht zu kurz kommen, finden sich doch an der Mosel viele der besten Weingüter Deutschlands.

Nirgendwo sonst nördlich der Alpen ist die Römerzeit so authentisch erlebbar wie im Zentrum der Antike in Trier. Trier ist die älteste Stadt Deutschlands, gegründet 17 v. Chr. als Augusta Treverorum. Sie zählte einst zu den größten Metropolen des Römischen Reiches. In der Spätantike wurde die Handelsstadt zur Kaiserresidenz und damit zu einem Verwaltungssitz des Imperium Romanum erhoben. Das Stadtbild Triers ist bis heute geprägt von Monumentalbauten der Antike. Im Jahr 1986 wurden ganze sieben Römerbauten in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten aufgenommen: Die Porta Nigra, die Kaiserthermen, das Amphitheater, die Römerbrücke, die Barbaratherme, die Konstantin-Basilika, und die im nahe gelegenen Igel stehende „Igeler Säule“. Das römisch-katholische Christentum hatte seit der Antike eine prägende Rolle in der Geschichte dieser Stadt. Daran erinnern nicht zuletzt viele eindrucksvolle Kirchenbauten und Klöster, von denen sich auch der Dom und die Liebfrauenkirchen zum UNESCO-Weltkulturerbezählen dürfen.

Das Mosel-Musik-Festival: Open Air in einmaligem Ambiente
Lebendiges UNESCO-Weltkulturerbe
Foto: Culturespaces / Les chorégies